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Das erste Weihnachten weg von zu Hause


Weihnachten war für mich immer ein sehr magisches und sehr wichtiges Fest. Nicht weil ich religiös bin, auch Traditionen und Bräuche waren mir meistens sehr egal. Seit dem Tod meiner Urgroßmutter, als ich 13 war, war diese Feier für mich eine wichtige Erinnerung an sie und ihre Herzlichkeit.

 

Zusammen mit ihr, meiner Großmutter und Mutter wuchs ich in Wien auf. Meiner Mutter war es durch ihre Erkrankung nicht möglich, eine mütterliche Rolle für mich einzunehmen. Das machte das Leben nach dem Tod meiner Urgroßmutter auch sehr schwer, nicht nur für mich. Die Jahre vergingen, vieles passierte, auch viel Traumatisierendes. Und darum zog ich schließlich mit 16 ins Jugendheim. Ich konnte einfach nicht mehr. 

 

Das erste Weihnachten nach meinem Auszug verbrachte ich noch zu Hause, doch irgendwie war Weihnachten nicht mehr dasselbe ohne meine Urgroßmutter, also beschloss ich, im Jahr darauf mit der Familie meines damaligen Freundes zu feiern. Ich war inzwischen 17. Die Mutter meines Freundes hatte sich große Mühe gemacht, es gab einen geschmückten Baum, es wurde gesungen, sogar Geschenke gab es, auch für mich. Doch ich konnte es einfach nicht genießen. Nach und nach musste ich mir eingestehen, dass Weihnachten, so wie ich es immer geliebt hatte, nie wieder passieren würde… Vielleicht musste ich endlich erwachsen werden und das akzeptieren. Ich fühlte mich schlecht, nicht dankbar dafür zu sein, dass mich eine „fremde“ Familie zu Weihnachten aufgenommen hatte.

 

Die Jahre darauf probierte ich viel. Mit 18 bekam ich meine eigene Wohnung und wollte mein eigenes Weihnachtsfest organisieren. Mein Vater und Onkel waren gerade zu Besuch in Wien. Ich kochte und bereitete alles so vor, wie ich es gerne hätte. Unter anderem hatte ich die Tage davor massenhaft Kekse gebacken, so wie ich es als Kind immer mit meiner Urgroßmutter gemacht hatte. Auch dieses Weihnachtsfest war nicht wie das von früher, aber es war das erste, das ich wieder als schön empfinden konnte.

 

Von Jahr zu Jahr wurde Weihnachten dann wieder ein schönes Fest für mich. Ich suchte mir die Elemente raus, die für mich schön waren und versuchte, mir den Druck zu nehmen, dass es genauso sein muss wie früher. Das war ein langer Prozess.

Weihnachten ist heute für mich immer auch ein bisschen traurig, weil ich eben auch an diesen geliebten Menschen denken muss, den ich verloren habe, aber irgendwie ist es eine schöne Trauer.

 

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