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Weihnachtsgedanken der #visible Peer-Gruppe


Letzte Woche hatte unsere Peer-Gruppe ein Weihnachtstreffen. Das Ganze hat lockdownbedingt natürlich über Zoom stattgefunden. So saßen wir alle mit Tee vor unseren Rechnern und haben darüber geredet, wie es uns so mit den Feiertagen geht. Eine Zeit, die für viele von uns nicht immer die einfachste ist und war. Manche von uns erinnerten sich daran, dass es viele Weihnachten gab, an denen das eigene Elternteil gerade in der Psychiatrie war. Andere erzählten vom Druck, sich zumindest an Weihnachten jedes Jahr wieder beweisen zu wollen, dass es doch irgendwie möglich sein muss, ein halbwegs „normales“ Weihnachten zu feiern.  

 

Es tat gut, sich mit Menschen auszutauschen, die vieles verstehen können. Die selbst auch schon mal an dem einen oder anderen Punkt waren. Die wissen, wie schmerzlich es sein kann, an Weihnachten nochmal zusätzlich daran erinnert zu werden, dass die eigene Familie „anders“ ist. 

 

Schließlich haben wir darüber geredet, was uns rund um die Feiertage hilft oder geholfen hat/hätte. Da kam ziemlich schnell der Plan auf, unsere Aussagen ein wenig zu sammeln und sie mit euch da draußen zu teilen. Vielleicht ist ja etwas für dich dabei. 

 

  • „Für mich war es immer wichtig, zu planen, was ich mache, falls mir alles emotional zu viel wird. In mein Zimmer zu gehen und ein bestimmtes Album zu hören beispielsweise. Dieser „Notfallplan“ hat mich immer sehr beruhigt.“
  • „Mir hilft es, in der Weihnachtszeit Dinge, bei denen ich weiß, dass sie anstrengend für mich sind, zu vermeiden. Gerade in der Weihnachtszeit probiere ich, sehr sorgsam mit mir umzugehen.“
  • „Mir hilft es, spazieren zu gehen, viel spazieren zu gehen.“
  • „Mir hilft es, anzuziehen, worin ich mich wohl fühle. Weihnachten im Jogger zu verbringen, find ich vollkommen legitim.“
  • „Kekse essen. Einfach gaaaanz viele Kekse essen.“
  • „Mir hilft es, um Weihnachten herum viele Freunde zu sehen. Das ist nicht immer ganz so einfach, weil viele mit ihrer eigenen Familie verplant sind. Deswegen frag ich schon im Vorhinein möglichst viele und mache mir fixe Pläne.“
  • „Mir hilft es, an Weihnachten auf Twitch oder Youtube verschiedene Live-Streams anzuschauen, wenn ich alleine bin. Da merkt man erst, wie viele Menschen an Weihnachten alleine sind und wie viele nicht feiern.“
  • „Mir hilft es, mit Freund:innen schon im Vorfeld abzuklären, ob ich sie vielleicht anrufen darf, wenn mir alles zu viel wird. Das gibt mir eine gewisse Sicherheit.“
  • „Ich denke, mir hätte es geholfen, einfach mal das Tabu zu brechen und darüber zu sprechen, wie Schei** ich Weihnachten eigentlich finde. Alle um mich herum waren immer totale Weihnachtsfanatiker:innen, darum habe ich mich das nie getraut. Dieses Tabu muss doch eigentlich überhaupt nicht sein. Ich denke, wenn wir alle einfach mehr darüber reden, merken wir erst, wie vielen es ähnlich geht.“
  • „Ich finde es wichtig, auch einfach mal zu sagen: Es ist okay, Weihnachten nicht mit der Familie zu verbringen.“
  • „Mir hätte es geholfen, Einladungen einfach mal anzunehmen. Ich wurde öfters von anderen Familien zum 24. eingeladen, hatte aber immer das Gefühl, das kann ich nicht annehmen. Da störe ich doch nur. Heute denk ich mir, ich hätte diese Einladungen einfach annehmen sollen. Die meisten Menschen sagen so etwas ja nicht leichtsinnig, sondern freuen sich, wenn du kommst.“
  • „Mir hätte es geholfen, aktiv um Hilfe zu bitten. Mich auch an Weihnachten zu trauen und nicht das Gefühl zu haben, da sind sowieso alle im Stress.“

 

Wir hoffen, dass dir die eine oder andere Aussage vielleicht hilft oder du dich zumindest ein bisschen verstanden fühlst. Es ist auch völlig okay, nicht zu probieren, „das Beste draus zu machen“. Manche Zeiten sind einfach da, damit sie dann auch möglichst schnell wieder vorbei sind.

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