Psychische Erkrankungen

 

Die Bandbreite psychischer Erkrankungen ist groß. Sie beeinflussen Stimmungen, Gefühle und Gedanken, können Ängste oder Zwangshandlungen auslösen, die Wahrnehmung verzerren oder das Denkvermögen und Gedächtnis beeinträchtigen. Drei von zehn Österreicher:innen leiden unter psychischen Problemen. Die folgende Auflistung gibt einen Überblick über psychische Krankheitsbilder sowie ihre Symptome und bietet eine erste Orientierung. Sie dient keinesfalls der Diagnose, die unbedingt durch behandelnde Ärzt:innen erfolgen muss. 


Angst, Panik und Phobien

 

Angst ist die menschliche Reaktion auf eine bedrohliche Situation sowie auf Ereignisse, die sich unserer Kontrolle entziehen. Die Muskulatur spannt sich an, das Herz beginnt zu rasen, der Blutdruck steigt, die Atmung beschleunigt sich und unsere Wahrnehmung verändert sich. Wenn sich die normale Angst, die uns vor Gefahren schützt, verselbstständigt, ohne äußere Ursache auftritt und dabei körperlich, in den Gedanken und im Verhalten wirksam wird, liegt eine Angststörung vor.

 

In unserer Innenwelt malen wir uns Katastrophen aus, fühlen uns hilflos oder tief beschämt. Dazu kommt das Verhalten bei Angst: Menschen werden starr vor Schreck, beginnen zu zittern oder versuchen panisch zu flüchten. In Folge vermeiden sie die ängstigenden Situationen und sogar den Blickkontakt mit dem, was die Angst ausgelöst hat. Der Alltag des Betroffenen ist deutlich beeinträchtigt, die Fähigkeit, zu arbeiten oder den Alltag zu bewältigen, kann in seltenen Fällen verloren gehen.

 

Panikattacken sind plötzlich, ohne äußere Ursache auftretende, heftigste Angstzustände mit Herzklopfen, Schweißausbrüchen, Zittern, Mundtrockenheit, Atemnot und Schwindel. Weiters können das Gefühl, in Ohnmacht zu fallen oder zu sterben, ein Gefühl von Unwirklichkeit und das Gefühl, wahnsinnig zu werden, auftreten.

 

Phobien sind Ängste vor bestimmten Situationen oder Tieren, etwa vor Spinnen, Mäusen oder Schlangen, sowie die Angst vor Höhe und vor dem Fliegen. Sehr einschränkend ist die Angst vor freien Plätzen (Agoraphobie) und die „soziale Phobie“. 

 

Wissen und vertraute Tätigkeiten, Entspannendes und Geborgenheit können Angst vermindern. Fremde Situationen, Stress und Einsamkeit wiederum wirken manchmal Angst auslösend.

 

Die derzeit übliche Behandlung einer Angststörung umfasst Psychotherapie, Medikamente oder das Erlernen von Entspannungstechniken. 


Bipolare Störungen 

 

Bei der bipolaren affektiven Störung, oder kurz bipolaren Störung, leiden die Betroffenen unter Zuständen, bei denen Antrieb und Stimmung stark vom Normalzustand abweichen. Die Episoden können demnach manisch oder depressiv sein, dazwischen gibt es aber auch Phasen ausgeglichener Stimmungslage.

 

Die Symptome von depressiven bzw. manischen Phasen sind in den Menüpunkten „Depression“ und „Manie“ beschrieben.

 

Bei einer bipolaren Störung empfiehlt sich eine medikamentöse Behandlung in Kombination mit Psychotherapie. In den verschiedenen Episoden wird unterschiedliche Medikation verwendet. Auch Psychoedukation, also das Erlernen, wie man mit verschiedenen Facetten der Erkrankung umgeht, kann helfen. Bei Manien werden üblicherweise Neuroleptika verabreicht, bei depressiven Episoden Antidepressiva. Eine besondere Herausforderung stellen Mischformen der bipolaren Störung dar, eine generalisierte Medikamentation ist hier nur schwer möglich.


Burnout

 

Erste Anzeichen für Burnout können Schlafstörungen, das Gefühl von Überforderung, Erschöpfung und Angst vor dem nächsten Arbeitstag sein. Burnout bedeutet aber auch den Verlust von Engagement und Begeisterung. Das zeigt sich in einem veränderten Umgang mit Mitmenschen, in Gefühllosigkeit, Gleichgültigkeit, sozialem Rückzug oder Zynismus. In fortgeschrittenen Burnout-Stadien leiden auch die Leistungsfähigkeit und das Selbstvertrauen. Gefühle von Überforderung, Machtlosigkeit und Minderwertigkeit sowie Konzentrationsstörungen sind die Folge.

 

Das Burnout-Syndrom kann in verschiedenen Erscheinungsbildern auftreten. Am häufigsten sind das Depressionen und Panikattacken, aber auch Suchtverhalten und psychosomatische Störungen zählen dazu. Burnout entwickelt sich nie plötzlich, sondern in einem längeren Prozess über Monate oder Jahre. Der Begriff „Burnout“ wird oft allgemein für Erschöpfungszustände verwendet, ist aber nur dann gerechtfertigt, wenn Zusammenhänge mit Arbeitsbelastungen eine wesentliche Rolle spielen.

 

Besonderes Engagement und hohe Identifizierung mit den beruflichen Aufgaben, an sich Eigenschaften, die besonders wertvolle Mitarbeiter:innen auszeichnen, sind Risikofaktoren für ein Burnout. Weiters kann berufliche Überlastung eine Rolle spielen: Zu viel Arbeit oder zu schwierige Aufgaben sowie Zeitdruck können zu Burnout führen. Ähnliches gilt auch für eine längere Unterforderung. Ungelöste Konflikte am Arbeitsplatz, fehlende Unterstützung durch Vorgesetzte und Kolleg:innen sowie das Fehlen von Möglichkeiten, sich beruflich weiter zu entwickeln, erhöhen das Risiko.

 

Ist die Ausprägung des Burnout-Syndroms stark, ist eine rasche medikamentöse und/oder psychotherapeutische Behandlung unerlässlich und eventuell auch ein Rehabilitationsaufenthalt sinnvoll. 


Demenz

 

Unter „Demenz“ sind Erkrankungen zu verstehen, die zum Abbau höherer Hirnleistungen führen: Gedächtnis und Sprache, tägliche Handlungen (sich anziehen und waschen etc.) sowie das Urteilsvermögen sind davon betroffen. Ursache für Demenz ist die Ablagerung von schwer löslichem Eiweiß im Gehirn.

 

Erst wenn es neben Gedächtnisstörungen zu weiteren kognitiven Einbußen kommt und die Alltagskompetenz beeinträchtigt ist, liegt diese Erkrankung vor. Die meisten Betroffenen zeigen im weiteren Verlauf typische Symptome wie Aggression, Unruhe, Verkennen von Situationen oder Personen; sie fühlen sich bestohlen, wenn Gegenstände verlegt wurden und ziehen sich zurück. Der Krankheitsbeginn ist schleichend und oft unklar. Eine rasch auftretende Verwirrtheit kann auf eine akute Erkrankung hindeuten. Dann ist rasche ärztliche Hilfe notwendig. Fast alle Betroffenen erleiden zunächst einen Abbau der Gedächtnisleistung, während andere Hirnfunktionen und die Aktivitäten des täglichen Lebens normal bleiben.

 

Depressive Symptome sind bei Demenz häufig. Das macht ein Unterscheiden oft schwierig. Menschen mit Demenz zeigen sich desorientiert, spielen die Symptome herunter und verfügen über ein gesundes Selbstwertgefühl. Ein Mensch in Depression fühlt sich hingegen wertlos, schildert die Symptome drastischer, weiß aber, wo er sich befindet und mit wem er es zu tun hat.

 

Eine rasche Diagnose ist wichtig. Wenn auch nicht heilbar, so können doch Verlauf und Symptome von Demenz durch rechtzeitiges Behandeln gelindert werden. Bei Verdacht auf Demenz ist daher der Facharzt/die Fachärztin für Psychiatrie oder Neurologie zu konsultieren oder der Hausarzt/die Hausärztin aufzusuchen. Lernbereitschaft, Sport, vielfältige persönliche Beziehungen und ausgewogene Ernährung können der Demenz vorbeugen. 


Depression 

 

Nicht jede traurige Stimmung bedeutet direkt, dass eine depressive Erkrankung vorliegt. Erst wenn Symptome wie Antriebslosigkeit, ein niedergeschlagener Gemütszustand, Angst und innere Unruhe, Schlafstörungen und Suizidgedanken mindestens zwei Wochen andauern, spricht man von einer Depression. Meistens ist in sehr depressiven Phasen die gesamte Lebensführung beeinträchtigt. Nach außen hin wirken Betroffene oft gefühllos, was für Familie und Freunde sehr frustrierend sein kann. 

 

Depressionen treten außerdem oft gemeinsam mit körperlichen Beschwerden auf, wie etwa mit Kopfweh und Kreuzschmerzen, Druckgefühlen im Brustraum oder unklaren Herzproblemen. Aufgrund dieser Beschwerden wird eine Depression häufig nicht gleich erkannt.

  

Eine Depression sollte immer so rasch wie möglich und ausreichend lange therapiert werden. Ergotherapie, Psychotherapie, in schweren Episoden gemeinsam mit Medikamenten (Antidepressiva) sind sehr effektiv. 


Essstörungen

 

Bereits während der Schulzeit beschäftigen sich viele Mädchen und zunehmend auch viele Burschen mit dem eigenen Körperbild und probieren verschiedene Diäten oder Crashkuren aus. Die Angst vor Gewichtszunahme, oft verstärkt durch unrealistische Darstellungen des menschlichen Körpers im Sinne eines allgemeinen Schönheitsideals in Fernsehen, Internet und Modejournalen, begünstigt ein verzerrtes Körperbild und Fehlernährung. Doch ab wann ist dieses Verhalten krankhaft?

 

Wir unterscheiden heute zwei Hauptformen von Essstörungen: Die Magersucht (Anorexia nervosa) ist definiert durch massives Untergewicht, gleichzeitig nehmen sich die Betroffenen als „zu dick“ wahr. Der Gewichtsverlust ist selbst herbeigeführt, etwa durch das Vermeiden von „dick machenden“ Speisen, durch übertriebene körperliche Aktivität oder durch Einnahme von Medikamenten wie Appetitzüglern oder Entwässerungstabletten. In der Folge entsteht eine Hormonstörung, die zum Ausbleiben der Menstruation oder zu Potenzverlust führt.

 

Die Ess-Brech-Sucht (Bulimia nervosa) wiederum ist gekennzeichnet durch häufige Essattacken, andauernde Beschäftigung mit dem Essen und einem unwiderstehlichen Drang zu essen. Gleichzeitig wird versucht, der Gewichtszunahme durch selbst herbeigeführtes Erbrechen, durch Abführmittel, Hungern, Appetitzügler oder Entwässerungstabletten entgegenzusteuern. Wie bei der Anorexie erleben sich die Betroffenen als „zu dick“ und mit einer sich aufdrängenden Furcht, immer weiter zuzunehmen.

 

Essstörungen können Lösungsversuche für tiefer liegende seelische Probleme sein, ein Ausweg, eine Fluchtmöglichkeit oder ein Ersatz für verdrängte Gefühle und Bedürfnisse, eine Art stummer Protest oder Verweigerung. Die Möglichkeit, über Essen oder über Hungern Befriedigung zu erlangen, führt zu einer kurzfristigen Erleichterung und zu einem Erleben von Sicherheit und Kontrolle. Da es sich jedoch nur um einen kurzzeitigen Effekt handelt, benötigen die Betroffenen Wiederholungen. Dadurch entwickelt die Essstörung eine Eigendynamik und gerät außer Kontrolle, sie wird zur „Sucht“. Es entsteht ein Gefühl des „hilflos-ausgeliefert-Seins“.

 

Die Behandlung von Essstörungen erfolgt durch medizinische, therapeutische und psychosoziale Interventionen. 


Manie

 

Eine Manie ist eine Störung von Antrieb, Stimmung und der Selbsteinschätzung. Die Manie wird oft als der Gegensatz der Depression bezeichnet, Antrieb und Stimmung sind dabei weit über dem Normalniveau. Sie verläuft nicht kontinuierlich, sondern in Phasen. Schlafmangel, Selbstüberschätzung, Sprunghaftigkeit, Euphorie und absolute körperliche und kognitive Überanstrengung gehören zu den Symptomen; diese werden von der betroffenen Person oft aber nicht als Teil der Erkrankung wahrgenommen. Die Krankheitseinsicht ist in manischen Phasen sehr stark beeinträchtigt. Das kann für Angehörige sehr schwierig sein. 

 

Wenn zu den oben erwähnten Symptomen noch Halluzinationen und Wahngedanken hinzukommen, spricht man von Manie mit psychotischen Symptomen. 

 

Wechseln sich manische und depressive Phasen innerhalb einer gewissen Zeit ab, spricht man von einer Bipolaren Störung (früher wurde diese als „Manisch-Depressive Erkrankung“ bezeichnet). Bipolare Störungen und Manien sind heute sehr gut behandelbare Erkrankungen. Medikamentöse, psychotherapeutische und psychosoziale Maßnahmen werden in diesem Zusammenhang gesetzt. Wobei gerade in akut manischen Situationen die medikamentöse Therapie oft unabdingbar ist. 


Persönlichkeitsstörungen

 

Unter einer Persönlichkeitsstörung versteht man eine schwere Störung der Persönlichkeit und des Verhaltens. Bestimmte Persönlichkeitsstrukturen sind dabei besonders ausgeprägt, unflexibel oder wenig angepasst. Die Ursachen für Persönlichkeitsstörungen sind vielschichtig. Oft stammen sie aus traumatischen Erfahrungen in der Kindheit oder in späteren Lebensabschnitten. Um die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern, werden Persönlichkeitsstörungen vor allem psychotherapeutisch und medikamentös behandelt. 

 

Eine häufig auftretende Persönlichkeitsstörung ist das Borderline-Syndrom. Typisch für Menschen mit Borderline sind eine übertriebene Impulsivität, instabile zwischenmenschliche Beziehungen (z.B.: rasch wechselnde beste Freund:innen oder Partnerschaften), starke Stimmungsschwankungen und ein verzerrtes Selbstbild. Betroffene haben Probleme, Nähe und Distanz in menschlichen Beziehungen einzuschätzen und stabil zu halten. Oftmals werden von Menschen mit Borderline paradoxe Handlungen gesetzt, die für das soziale Umfeld kaum nachvollziehbar sind.

 

Symptome, die bei Persönlichkeitsstörungen auftreten können:

  •  Aggressionen: Oft haben Menschen mit Persönlichkeitsstörungen Probleme, ihre Gefühle in Zaum zu halten. Gerade starke Impulse wie Aggressionen können dabei ausbrechen.
  • Selbstverletzendes Verhalten: Um die starke Spannung, unter der Menschen mit Borderline-Störung oftmals stehen, zu reduzieren oder auch um sich besser „spüren“ zu können, praktizieren manche Menschen mit Persönlichkeitsstörung ein selbstverletzendes Verhalten, wie massives Kratzen, Ritzen etc. 

Um die Lebenssituation der Betroffenen zu verbessern, werden Persönlichkeitsstörungen medikamentös oder psychotherapeutisch behandelt. 


Psychosen

 

Wahnideen, Halluzinationen und Denkstörungen sind die drei wichtigsten Symptome einer Psychose.

Unter Wahnideen versteht man Vorstellungen und Denkmuster, die mit der Realität wenig bis nichts zu tun haben (siehe Punkt „Wahnvorstellungen“). Halluzinationen sind Sinneswahrnehmungen ohne einen entsprechenden Reiz aus der Umwelt. Diese können in allen Sinnesgebieten auftreten. Sehr häufig ist etwa das Hören von Stimmen, ohne dass ein Sprecher/eine Sprecherin anwesend ist. Wird das Denken unzusammenhängend und unlogisch sowie die Sprache „zerfahren“, weil verschiedene Gedanken bis zur Unverständlichkeit vermischt werden, dann liegt eine „Denkstörung“ vor.

 

Psychosen sind bei anderen leichter erkennbar als bei sich selbst. Das, was in der Psychose erlebt wird, mag es noch so „verrückt“ sein, ist für den Betroffenen Realität. Denn wir Menschen sind es gewohnt, uns auf unsere Wahrnehmung und Beurteilung der Welt verlassen zu können. Wir rechnen nicht damit, dass unsere Sinne und unser Denken in die Irre führen können.

Akut psychotische Menschen kommen daher oft mit der Realität und gelegentlich auch mit anderen Menschen in Konflikt, da Situationen falsch eingeschätzt werden. Sie sind sich der Störung in psychotischen Phasen in der Regel nicht bewusst. 

 

Aus Sicht des Betroffenen verhält sich dann eher die Umwelt „verrückt“. Betroffene können zwar realisieren, dass sie ungewöhnliche Dinge erleben, versuchen dies aber vor der Umgebung geheim zu halten, aus Angst, nicht verstanden zu werden. 

 

Die medikamentöse Behandlung ist meist eine unverzichtbare Basis für alle weiteren Therapien. Im Fall einer Psychose ist die Unterstützung von Fachärzten/Fachärztinnen für Psychiatrie oder anderen im psychosozialen Bereich tätigen Expert:innen wichtig.


Psychosomatische Erkrankungen 

 

Unter psychosomatischen Erkrankungen versteht man Krankheitsbilder, bei denen körperliche und psychische Symptome einander bedingen und in engem Zusammenhang stehen. Dabei gibt es zahlreiche psychosomatische Beschwerden und Krankheiten. Ob nun das Herz rast oder das Kreuz schmerzt – dafür kommen auch psychische Ursachen in Frage. Eine psychosomatische Behandlung ist dann erforderlich, wenn psychosoziale Faktoren (z.B.: Arbeitslosigkeit, Trennung vom Partner/Partnerin, etc.) einen wesentlichen Beitrag zu der Krankheit leisten.

 

Oftmals können körperliche Krankheiten psychisch als sehr belastend empfunden werden. Und umgekehrt können sich seelische Probleme in körperlichen Folgeerscheinungen äußern. Meist verschwimmen dabei die Grenzen zwischen Seele und Körper.

 

Somatisierungsstörungen

Bei somatoformen Störungen (Somatisierungsstörungen) kommt es wiederholt zu körperlichen Beschwerden, für die keine physische Ursache gefunden werden kann. Es können aber auch somatische (also körperliche) Krankheiten vorliegen, die ein vorliegendes psychisches Leidensausmaß nicht erklären. Zu somatoformen Beschwerden zählen unter anderem Gelenksschmerzen, Rückenschmerzen, Magenprobleme, Kopfschmerzen oder Herzbeschwerden.

 

Konversionsstörungen

Dissoziative Störungen oder Konversionsstörungen werden oft durch traumatische Erlebnisse hervorgerufen und äußern sich durch den teilweisen oder völligen Verlust von Erinnerungen, des eigenen Identitätsbewusstseins (Betroffene beschreiben dies meist als Trancezustände), der Empfindungswahrnehmungen oder der Kontrolle des eigenen Bewegungsapparates (der Körper reagiert nicht auf die Anweisungen des Gehirns).

 

Psychosoziale, therapeutische und medikamentöse Ansätze kommen in der Behandlung psychosomatischer Erkrankungen zum Einsatz. 


Schizophrenie

 

Menschen, die an Schizophrenie erkranken, leben mit einer verzerrten Wahrnehmung - verzerrt durch Halluzinationen, Wahnideen und Denkstörungen. Meist sind die Betroffenen nicht in der Lage, ihr Erleben und Verhalten als krankhaft zu erkennen. Während diese sogenannten „positiven“ Symptome (Halluzinationen, Wahnideen, Denkstörungen) meist nur phasenweise auftreten, leiden viele Patient:innen langfristig unter „negativen“ Symptomen wie Apathie, Rückzug oder Schwierigkeiten im Sozialkontakt.

 

Wenngleich Schizophrenie eine schwere Erkrankung ist, gilt es, darauf hinzuweisen, dass es bei ca. 10% der Betroffenen bei einer einzigen Episode im Leben bleibt und dass ca. die Hälfte der Betroffenen im langfristigen Verlauf ohne oder mit nur geringen Beeinträchtigungen leben können.

 

Patient:innen, die an Schizophrenie leiden, sind durch ihre Erkrankung verwundbarer für die Risiken des Lebens und vor allem in den ersten Jahren der Erkrankung können viele sekundäre Probleme entstehen (Verlust von Arbeits- oder Ausbildungsplatz, sozialer Abstieg, Isolation, Verwahrlosung, Delinquenz, Substanzmissbrauch oder -abhängigkeit, etc.), die wiederum den Verlauf der Erkrankung negativ beeinflussen können. Medikamentöse Therapie kann in vielen Fällen die Symptome der Erkrankung bessern oder beseitigen, allerdings bedeutet das für viele Patient:innen, dass eine langfristige Einnahme der Medikamente erforderlich ist, die zum Teil mit unangenehmen Nebenwirkungen verbunden sein kann.

 

Mittlerweile sind viele spezielle psychotherapeutische Verfahren zum Einsatz bei Schizophrenie entwickelt worden. Soziotherapeutische und medikamentöse Maßnahmen sind vor allem für die chronisch Betroffenen von großer Wichtigkeit. Im Fall von akuten Schüben ist ein stationärer Aufenthalt in einer psychiatrischen Abteilung häufig unerlässlich. 


Schlafstörungen 

 

Die Ursachen für Schlafstörungen sind vielschichtig. Gründe können äußere Faktoren wie nächtlicher Lärm, ungünstige Licht- und Temperaturverhältnisse, Verhaltensfaktoren wie z.B.: eine problematische Schlafhygiene oder keine geeignete Schlafstelle, aber auch organische Faktoren sein. Die Störung bezieht sich dabei entweder auf die Dauer oder den Ablauf des Schlafes.

 

 

Psychische Probleme können eine Schlafstörung zur Folge haben, aber auch umgekehrt: Schlafstörungen können psychische Erkrankungen begünstigen. Eine fehlende Erholung während des Schlafes beeinträchtigt kurzfristig die Leistungsfähigkeit und die Lebensqualität.

 

Auswirkungen und Folgen von Schlafstörungen können Tagesmüdigkeit, Reizbarkeit, Konzentrationsstörungen, verringerte Leistungsfähigkeit, gesteigertes Risiko für Arbeits- und Autounfälle, Magenbeschwerden, Bluthochdruck, Depressionen, Herz- und Kreislauf-Erkrankungen, geschwächtes Immunsystem oder vorzeitige Alterserscheinungen und/oder verringerte Lebenserwartung sein.

 

Schlafstörungen werden dann als Krankheit bezeichnet, wenn sie von den Betroffenen auch als krankhafte Belastung empfunden werden und die Ursachen körperliche oder seelische Probleme sind.

 

Sollten Schlafstörungen über einen längeren Zeitraum andauern, ist es notwendig, professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen, die etwa in Form einer medikamentösen oder psychotherapeutischen Behandlung erfolgen kann. 


Suchtverhalten

 

Lange Zeit wurde der Begriff „Sucht“ vor allem mit substanzgebundener Sucht (Alkohol, Drogen, Nikotin etc.) gleichgesetzt. Nun wird es allerdings immer üblicher, den Begriff „Sucht“ auch auf nicht-substanzgebundene Süchte auszudehnen.

 

Alkohol

Gerade in Österreich wird die Gefahr des Alkohols oftmals verharmlost. Grundsätzlich gilt er als Genussmittel, das Suchtpotenzial sollte aber nicht unterschätzt werden. Alkoholsucht ist behandelbar. Die Bedingung dazu ist eine konsequente, auf Behandlung und Abstinenz bzw. "kontrolliertes Trinken" zielende Haltung.

 

Drogen

Die mögliche Gefährdung ist unterschiedlich. Ob es sich „nur“ um Konsum oder bereits um Missbrauch, Gewöhnung oder gar Abhängigkeit handelt, das wird durch Art und Häufigkeit der Verwendung sowie durch die Dosierung der meist illegalen Substanz deutlich. Es ist sehr ratsam, sich bei problematischem Substanzkonsum professionelle Hilfe zu suchen. 

 

Verhaltenssüchte

Ein exzessives Verhalten kann zur Entwicklung einer Abhängigkeit führen, wobei die Grenzen zwischen Vergnügen und Sucht fließend sind. Zu Verhaltensüchten zählen (Glücks-) Spielsucht, Internet-/Computer-/Handysucht, Kaufsucht, Sexsucht etc. 

 

Die Behandlung von Suchtverhalten stellt eine Herausforderung dar, deren Ziele in der Regel die Abstinenz bzw. "kontrolliertes Trinken" sind. Bei substanzgebundenen Süchten kann der Entzug lebensgefährlich sein und muss unter ärztlicher Aufsicht erfolgen. 


Suizidalität

 

Suizidalität umfasst konkrete Gedanken an Selbsttötung sowie Handlungen, die darauf abzielen. Bei manchen psychischen Erkrankungen kann Suizidalität in bestimmten Phasen auftreten. Sie ist dann meist Ausdruck einer schweren Krise, in der die Person dringend professionelle Hilfe benötigt.

 

Wenn man bei jemandem Suizidgedanken bemerkt oder vermutet, kann das verunsichern oder Angst auslösen. Es ist wichtig, zu wissen, dass man durch offenes Ansprechen keinen Suizid auslösen kann. Oft fühlen sich Betroffene sogar entlastet, da sich alles rund um Suizidalität sehr tabuisiert anfühlt. Man kann also ruhig klar und sachlich seine Bedenken äußern, wenn man das Gefühl hat, ein Mitmensch sei in Gefahr, sich selbst zu töten.

 

 

Als Angehöriger, besonders als Jugendlicher, ist es schwierig, die Situation einzuschätzen bzw. generell mit der Situation umzugehen. Dann ist es wichtig, sich an eine/n Erwachsene/n und/oder eine Fachperson zu wenden. Auch die Berater:innen der #visible Mailberatung sind für Anfragen da und helfen gerne weiter. 


Traumata und Posttraumatische Belastungsstörungen 

 

Besonders schwere Erlebnisse, die eine Person unvorbereitet treffen und aus der Bahn werfen, werden als traumatische Ereignisse bezeichnet. Sie führen ohne Unterstützung häufig zu Spät- oder Langzeitfolgen.

 

Traumatische Ereignisse sind zum Beispiel:

  • Der Verlust von nahen Angehörigen durch Unfalltod oder Suizid
  • Die Verwicklung in einen schweren Unfall als Zeuge/Zeugin, Opfer oder Unfalllenker:in
  • Die Verwicklung in ein Gewaltverbrechen als Opfer oder Zeuge/Zeugin
  • Belastende Fluchterlebnisse etc.

Posttraumatische Belastungsstörung

Die Posttraumatische Belastungsstörung (PTBS) ist eine verzögerte psychische Reaktion auf eine extreme Krisensituation. Die Begriffe Posttraumatische Belastungsstörung, Posttraumatisches Belastungssyndrom, Posttraumatisches Stresssyndrom oder das englische Posttraumatic Stress Disorder (PTSD) werden gleichbedeutend verwendet.

 

Typisch für die PTBS sind Symptome des „Wiedererlebens“, die sich den Betroffenen in Form von Erinnerungen an das Trauma, Tag- und Angstträumen oder Flashbacks aufdrängen. Oftmals treten auch so genannte Vermeidungssymptome auf, die meistens parallel zu den Symptomen des Wiedererlebens auftreten. Zu Vermeidungssymptomen zählen emotionales Abstumpfen, Gleichgültigkeit, aktive Vermeidung von Aktivitäten und Situationen, die an das Trauma erinnern. 

 

Die Behandlung umfasst vorrangig traumafokussierende Psychotherapie, die gegebenenfalls mit medikamentöser Unterstützung erfolgt. 


Wahnvorstellungen 

 

Wahnideen sind Vorstellungen, die von den Betroffenen für absolut richtig gehalten und verteidigt werden, obwohl andere die Realität so nicht sehen und es wesentlich plausiblere Erklärungen gibt. Der eigene Wahn ist den Menschen nicht bewusst. Dies ist ein wichtiges Kriterium für dieses Krankheitsbild.

 

Wahnideen sind leicht zu erkennen, wenn es sich um völlig unrealistische Dinge handelt. Etwa um die Behauptung, ein Atomkraftwerk im Bauch zu haben. Andere Wahnideen sind schwerer zu erkennen, etwa die Überzeugung, der/die Partner:in sei untreu. Wahn kommt im Rahmen verschiedener psychischer Krankheiten und Störungen vor und kann auch als eigenständige Erkrankung auftreten.

 

Personen, die unter einem Wahn leiden, schließen andere Erklärungen für ihre wahnhaften Ideen automatisch und von vornherein aus. Daraus folgt, dass es völlig sinnlos ist, einen Wahn argumentativ in Frage zu stellen. Nicht nur wird der/die Kranke jedes Argument als nicht zutreffend verwerfen, er/sie wird auch den/die Gesprächspartner:in als Gegner:in wahrzunehmen beginnen und seine/ihre Position vehement verteidigen. Es wäre allerdings der falsche Weg, den Wahninhalten scheinbar zuzustimmen, um die Situation vermeintlich zu entspannen. Richtig ist es, ruhig seine eigene Position zu behaupten und festzustellen, dass hier offenbar unterschiedliche Bewertungen vorliegen.

 

Es gibt viele Arten von Wahn, dazu gehören etwa Beeinträchtigungswahn, Verfolgungswahn, Beziehungswahn, Schädigungswahn, Verarmungswahn, Größenwahn (Megalomanie), Schuldwahn, Krankheitswahn, Nichtigkeitswahn, Erfinderwahn oder Eifersuchtswahn. 

 

Die Behandlung wahnhafter Störungen beinhaltet meist medikamentöse und psychotherapeutische Maßnahmen. 


Zwangshandlungen 

 

Fast jeder kennt harmlose Zwänge aus dem Alltag. Aber Zwangsstörungen können, je nach Ausprägung, große Leiden verursachen. Wird eine Zwangserkrankung nicht rechtzeitig erkannt und behandelt, kann es zu weitreichenden Konsequenzen kommen: Zuerst wird die Lebensqualität beeinträchtigt, dann folgen Probleme in Partnerschaft, Familie und Beruf.

 

Typische Zwangshandlungen sind unter anderem Reinigungs- und Waschzwänge (sehr häufiges Waschen), technische Kontrollzwänge (Kontrollieren von Schlössern, Elektrogeräten etc.), Wiederholungszwänge (z.B.: mehrmaliges Händeabtrocknen etc.), Zählzwänge (z.B.: zwanghaftes Zählen der Fliesen im Bad etc.), Ordnungszwänge (alles muss auf seinem Platz sein etc.) und Sammel- und Aufbewahrungszwänge (alles muss gehortet werden etc.).

 

Die besten Behandlungserfolge bei Zwangsstörungen erzielt die Kognitive Verhaltenstherapie, wobei auch Medikamente wie Antidepressiva Verwendung finden. 

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